Star Wars: Die letzten Jedi – Spoilerfrei durch die Rezension

Kritischen Augen begutachten am 11.11.2017 eine schwarze Leinwand in München. Und dann geht es los – und John Williams unsterblicher Soundtrack verwandelt den ganzen Saal wieder in ein zwölfjähriges Kind, mit dem gerade zusammengebastelten X-Wing in der Hand und der Sicherheit im Herzen, dass Luke Skywalker die Galaxis retten wird.

Tschu-Tschu-Tschuh, der Hypetrain ist da. Nächster Halt: Eine weite, weit entfernte Galaxis…, und dank unserer Freunde bei Disney hatte ich die Ehre, ein bisschen früher die Bahnhofsluft in Originalversion zu schnuppern. Bevor mir nun die Leser vor lauter Spoilerphobie wegbrechen, darf ich an dieser Stelle schonmal Entwarnung geben: The Walt Disney Company hat vorgesorgt und mir einen Heimlichkeitsschwur entlockt.

Für die, die vor der Länge dieser Rezension zurückschrecken und sich überlegen, nicht doch lieber stattdessen ein Katzenvideo auf YouTube anzusehen, stelle ich das TL;DR voran: Schaut euch diesen Film an! Ob ihr Star Wars oder Trek-Fans, Sci-Fi oder Rom Com-Liebhaber, Jung oder Alt seid – „Star Wars: Die letzten Jedi (Episode VIII)“ kann euch in vielerlei Hinsicht bereichern. Allein die Liebe zum Detail der Schöpfer macht den Kinobesuch zu einem lohnenswerten. Der achte Teil der Star Wars Saga konstituiert nicht nur in seinem eigenen Universum einen Meilenstein, sondern auch in der gesamten Filmgeschichte. Selten erlebt man eine Fortsetzung, die nicht unter dem Gewicht der Publikumserwartungen zusammenklappt.

Natürlich leidet auch dieses Sequel an seinen sequel-immanenten Schwächen. Und natürlich gibt es hier und da etwas auszusetzen (dazu später mehr), aber Rian Johnson, der Regisseur und Drehbuchautor, hat hier ein Kunstwerk auf die Leinwand gebracht. Nach JJ Abrahams „Episode VII“ hatte ich eigentlich die Hoffnung auf eine gelungene Trilogie verloren. „Das Erwachen der Macht“ gleicht in zu vielen Punkten dem Beginn der originären Episoden. Georg Lucas wollte mit jedem Star Wars Film etwas Neues schaffen; einen Standard, den „Episode VII“ nicht erreichen konnte. Doch Carrie Fisher selbst lehrte mich, die Hoffnung auf eine gelungene Fortsetzung nicht aufzugeben: “Hope is like the sun: if you only belive in it when you see it, you will never make it through the night.” TL;DR Ende.

 

Handlung

Spoilerfrei über einen Plot zu schreiben, fühlt sich ein wenig so an, wie eine Runde Tabu-Extrem zu spielen. Nur brennen die Karten und man sitzt auf heißen Kohlen, weil man alle Tabus gleichzeitig brechen möchte. Ich möchte es hier trotzdem versuchen.

Sagbar und bemerkenswert ist der direkte Anschluss an den letzten Teil. Der Film geht von einem intelligenten Publikum aus, dem der gelb-schwarze Vorspann genügt, um das auch zu erkennen, und behandelt uns nicht wie ein Kleinkind, das durch unnötige Exposition auf den Stand der Dinge gebracht werden muss. Zur Folge hat dies natürlich, dass „Star Wars: Das Erwachen der Macht“ zuvor gesehen werden muss. Allzu tragisch ist das für ein Sequel der dritten Trilogie einer nun 47 Jahre alten Reihe wohl eher weniger.

Schade ist, dass mein größtes Problem mit dem Film in puncto „Plot“ zu verorten ist. Die Geschichte ist sich in der Frage, was sie vorantreibt, zu unsicher. Dafür gebe ich, wie auch schon beim vorherigen Teil, Kylo Ren (gespielt von Adam Driver) die Schuld. Durch seine innere Zerrissenheit kann er Darth Vader nicht nur als Sith das Wasser nicht reichen, sondern bleibt im Vergleich auch als treibende Kraft der Handlung hinter ihm und Darth Sidious auf der Strecke . Nur ein starker Antagonist hätte Rey und den Widerstand in einer Weise fordern können, die zeigt, wohin die Reise führt. Am Ende kamen zwar alle dort an, wo Rian Johnson sie haben wollte. Wo „dort“ allerdings ist, hat sich allerdings viel zu spät herauskristallisiert. Zu lange war den Charakteren und dem Publikum nicht bewusst, in welche Richtung die Handlung führt.

Dennoch brilliert der Film durch Johnsons logische Strukturierung die er bereits bei „Looper“ unter Beweis gestellt hat. Der Regisseur und Drehbuchautor hielt sich bei der Produktion des Werkes an die gewinneinbringenden Disney-Richtlinien, die durch Joss Whedon („Avengers“ etc.) vorgegeben wird:

“Make it dark, make it grim, make it tough, but then, for the love of God, tell a Joke.”

Der Film ist vollgepackt mit sowohl visueller als auch dialogischer Situationskomik, die in Qualität und Timing den Marvel-Standard übertrifft. Er überzeugt besonders in den dramatischen Szenen durch den Verlust der typischen „wird schon alles gut gehen“- Momente und grenzt sich scharf von J.J. Abrahams Darstellung ab. Nehmt euch Lukes Worte zu Herzen, wenn er euch versichert:„This is not going to end like you think it is”.

Kinematographie und Schnitt

Eine ruhige Kameraführung trifft auf vom Chaos beherrschte Szenen. Rian Johnson und Steve Yedlin (Kinematograph von „Looper“) haben sich offensichtlich dafür entschieden, in einer Welt, die für ihre Explosionen bekannt ist, den Überblick zu behalten. Die oft weiten Shots erlauben es, Flugmanöver von außen zu bewundern und auch bei Kampfszenen die Landschaft von Irland oder Mexiko genießen zu können. Ich werde das Gefühl nicht los, dass Yedlins Kameraführung eine Ruhe vor dem Sturm darstellt, die nur auf eines schließen lässt: Der wahre Krieg steht in „Episode IX“ noch bevor.

Wie in allen westlichen Blockbustern leiden jedoch besonders die vom Publikum geliebten Schwertkampfszenen unter dem strengen Budget und Zeitplan Hollywoods. Um die mangelnde Kampfkunst der neuen Star Wars Generation zu kaschieren, wurde auch in diesem Actionflick in den entscheidenden Momenten mehr geschnitten als nötig. Dadurch verliert jeder Schlag sein Gewicht und resultiert im Vergleich zu den Meistern Obi-Wan Kenobi, Anakin Skywalker, Yoda und Darth Maul zu einem enttäuschenden Ergebnis.

Filmmusik und Ton

Über John Williams erneute solider Performance kann man sich gewiss sein. Immer noch schafft er es, für jeden Protagonisten ein individuelles Thema zu entwerfen und diese in Momenten der Interaktion verschmelzen zu lassen. „Episode VIII“ zeichnet sich jedoch durch die Momente der völligen Abwesenheit von Ton ebenso sehr aus wie durch das Williams-Orchester. Gut platzierte Stille ergänzt hier die schauspielerische Spitzenleistung und treibt die Spannung in die Höhe.

Schauspieler

Die Welt verlor eine Grand Dame der Künste, als Carrie Fisher 2016 im Alter von 60 Jahren unerwartet von uns ging. Jeder Kinogänger wird dankbar sein, sie in einer meisterhaften Performance als General/Prinzess Leia Organa nochmal erleben zu dürfen. Der Film selbst scheint stellenweise mehr eine Hommage an sie zu sein als eine epische Sternenkrieg Saga. Neben Carrie bieten auch Mark Hamill (Luke Skywalker), Daisy Ridley (Rey), Domhnall Gleeson (General Hux) und Oscar Isaac (Poe Dameron) besonders in puncto Charakterentwicklung eine überzeugende Darbietung. Laura Dern (Amilyn Holdo), die zusammen mit Kelly Marie Trans neu zum Cast dazustieß, schafft es durch ihre Performance in kurzer Zeit, eine Reihe an Gefühlen im Publikum auszulösen. Tatsächlich kann ich über Andy Serkins Darbietung als Snoke kein Wort verlieren, ohne zu viel zu verraten. Lediglich John Boyegas (Fn 2187) und Kelly Marie Trans (Rose Tico) Nebengeschichte verlor schnell mangels sinnvoller Entwicklung oder Aufgaben mein Interesse.

Fazit

„Star Wars: Die letzten Jedi“ wird euch durch seine brillanten Darbietungen, einfangende Musik, wunderschönen Szenerie und gut getimten dramatischen Höhepunkte in Stücke reißen, nur um euch danach wieder zusammenzubauen. Der Film schafft es in Lucas-Manier, etwas Neues in einer alten Franchise zu kreieren. Insbesondere seine Herausforderung, eine Generation zu etablieren, bewältigt der Streifen mit Bravour. Unter Rian Johnsons Anleitung wurde meine Hoffnung in diese Trilogie wiederhergestellt. Falls Johnson es jetzt noch schafft, einen komplementären Antagonisten auf die Leinwand zu bringen, steht auch dem Erfolg von „Episode IX“ nichts entgegen. Falls er dabei Hilfe benötigt, kann er sich natürlich gerne meine Kontaktdaten aus dem Impressum notieren.

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